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1989 - 2009 / 20 Jahre TIRO
Seit 20 Jahren ist der TIRO bei den großen Wettkämpfen dabei
Ein Rückblick von Hanjo Wimmeroth in einem Brief an Joachim H. Krenkler

Lieber Joachim,

wie doch die Zeit vergeht: 20 Jahre ist es nun her, dass wir als TIRO-Schützen erstmals an einer Weltmeisterschaft teilnahmen. Villars-sur-Ollon in der Schweiz hieß das Ziel damals, und voller Aufregung steuerten wir Richtung Süden, am Genfer See entlang und dann hoch in die Berge. Einen Schießstand gab es dort nicht. Die Schweizer Kameraden hatten in einem Skigebiet den Parcours aufgebaut, und manche Wurfmaschine musste gar mit dem Helikopter auf den Berg gebracht werden.
Wie aufregend war die Eröffnungsfeier, wie olympisch die Gefühle. Und dann der Wettkampf. Was war das Staunen groß über die Tauben, die uns dargeboten wurden. Steckte unser Verband doch noch in den Kinderschuhen. Tauben, die unterhalb des Schützen flogen, dramatische Flugbahnen über Waldesrand und Bergeshöh´n – alles unbekannte Ziele für uns Flachlandschützen. Erinnerst Du Dich noch an das kleine, gelbe Zelt fast unter dem Gipfel. Dort flog eine Midi-Taube heraus, brauchte etliche Zeit, bis sie im Wirkungsbereich der Schrote war, und dann drehte sie ab und stürzte in ein Tal.

Ich weiß gar nicht mehr, wann genau der Verband von Uli Höwing, Richard Doetsch, Hubertus Zoske und Hinrich von Donner sen. gegründet wurden, aber es war eine tolle Aufbruchstimmung, und wir waren voller Enthusiasmus dabei. Jedenfalls war die erste WM schon mal ein guter Einstieg ins große Parcours-Geschehen. Damals habe ich Dich sogar um wenige Tauben geschlagen. Lächerliche 118 standen auf meinem Score, 112 auf Deinem, und Du wollest sogar die Flinte an den Nagel und Dir die Gitarre umhängen. Das war mal beim Mittagessen auf der Bergstation der Seilbahn, die uns täglich transportierte. Meist nahmen wir ja – Du erinnerst Dich – Brot und Wurst aus dem Ort mit hinauf. Selbst die Siedewürste hatten an der Station Preise wie Kaviar. Ewald Willms war auch schon dabei und zeigte mit seinen 135 Treffern, was er damals schon drauf hatte. Zoski schoss 132 Scheiben herunter, Franz Schröder 129. Hermann Meyer ging als bester Deutscher vom Berg, 155 Treffer standen hinter seinem
Namen.

Später im Jahr kam dann unsere erste Deutsche Meisterschaft auf dem Truppenübungplatz in Mellrichstadt. War das eine Nummer. Von überall her hatte der Verband Maschinen angekarrt, Colin Foden fungierte als Cheflayouter, Alain Avril schoss mit einem Pfund Blei an der Mündung – und die DDR-Grenzer blickten (wahrscheinlich neidvoll) aus der Entfernung von ihren Wachtürmen zu uns herüber. Adolf Eder hatte damals kilometerweise Feldkabel verlegt, Richard Doetsch zeigte, was ein international erfahrener Baumanager alles so improvisieren kann, und dann lief dieser Wettkampf wie ein Schweizer Uhrwerk. Ernst August und Kai waren damals der Schreck aller Schiedsrichter, weil sie so gern diskutierten – über getroffene Tauben natürlich. Und das man eine Segeltaube verkehrt herum aufgelegt werfen kann, war auch neu für uns, aber spannend.

Was hat uns doch alles bewegt in diesen 20 Jahren. Da waren noch die Frühjahrseröffnungsschießen in der französischen Kaserne in Iffezheim, die Rolf Dieter Staufer organisierte. Treff war immer im Hirschen in Hügelsheim, wo wir manchen Schoppen zechten und mir manchmal morgens noch die Ohren rauschten. Und dann die geradezu bösartigen französischen Schiedsrichter, die unsere Fehler immer mit einem lauten Zero und einer mit Daumen und Zeigefinger gebildeten Null begleiteten. Aber Spaß hatten wir alle, zumal sich die meisten unserer kleinen Schar damals während der Wintermonate nicht sahen.
Embrach war auch so ein kleiner Höhepunkt im Schießkalender, den Wettkampf haben wir auch immer gerne im Gespann mit Aloys Vogt besucht. Schweizer Gastfreundschaft hat halt was. Dann kamen noch die Riesenturniere in Le Rabot, wo die Startnummernausgabe immer so unendlich lange dauerte, aber meist das Wetter schön war, und über die französische Küche brauchen wir nun nicht zu klagen.

Tja, lieber Freund, vieles liegt lange zurück, manch ein lieber Freund schaut uns heute von der Parcours-Schützen-Wolke zu (wir kommen alle in den Parcours-Himmel). Der Sport macht uns heute immer noch die größte Freude, unter der Führung von Alfons ist das Erbe der Gründerväter gerettet worden, und wir können getrost in die Zukunft blicken.
Das Einzige, was mich ein kleines, aber wirklich nur ein kleines bisschen ärgert, ist, dass Du mich heute schlägst. Aber das soll sich ändern. So etwa in den nächsten 20 Jahren.

In Freundschaft, Dein Hanjo